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Allgemeines zum Thema Hundehaltung!

Jedes Hunderudel und auch jedes Mensch-Hunde-Rudel braucht einen Chef. Die meisten Hundebesitzer sind der Überzeugung, dieser Chef seien sie. Als Beweis führen sie an, dass ihr Hund schließlich ein ganz Lieber, Verträglicher sei und keine zähnefletschende Bestie. Was sie dabei übersehen, ist der Umstand, dass gut sozialisierte Hunde ihre Rangstellung immer mit dem geringst möglichen Maß an Aggression behaupten. Sie haben ein umfangreiches Repertoire sehr differenzierter Ausdrucksweisen, die von Artgenossen sehr wohl verstanden werden. Leider beherrschen viele Besitzer nicht die Kunst, "hundlich" zu denken und gehen ihrem Vierbeiner dadurch ins Netz. Die folgenden Beispiele zeigen Verhaltensweisen von Hunden und ihre typisch menschlichen Fehlinterpretationen :

Dein Hund fordert Dich durch Schnauzenstubser und/oder Pföteln dazu auf, ihn zu streicheln oder mit ihm zu spielen. Wenn er genug hat, geht er wieder. Versuchst Du, die Zuwendung vorher zu beenden, bedrängt er Dich weiter. Mensch denkt: "Mein Hund zeigt mir seine Zuneigung" und freut sich. Die Bedeutung für den Hund: Der Chef bestimmt Zeitpunkt und Dauer der Zuwendung.

Dein Hund liegt am Boden. Wenn Du an dieser Stelle vorbei musst, gehst du entweder um Deinen Hund herum oder steigst über ihn drüber. Mensch denkt: "Er liegt so friedlich und vertrauensvoll da, dass ich sogar über ihn steigen kann, ohne dass er sich bewegt". Der Hund versteht: Den Chef vertreibt niemand von seinem Liegeplatz. Alle untergeordneten Rudelmitglieder weichen aus .

Wenn Du das Haus zum Gassi gehen verlässt, stürmt Dein Hund grundsätzlich vor Dir aus der Tür. Mensch denkt: "Er freut sich so auf den Spaziergang, dass er es kaum erwarten kann". Bedeutung für den Hund: Ich brauche nicht auf meine Familie zu achten – sie werden mir schon folgen.

Besuch kommt. Dein Hund rast aufgeregt, vielleicht bellend, zur Tür. Sobald diese geöffnet wird, ist er kaum zu beruhigen, bellt, springt den Besuch an. Sitzt der Gast endlich im Wohnzimmer, will der Hund gestreichelt werden. Mensch denkt: "Mein Hund freut sich so, dass er jeden stürmisch begrüßen will". Der Hund versteht: Jeder der das Revier betritt, hat sich dem Chef zu fügen. Der Chef fordert Zuwendung und Aufmerksamkeit und bekommt sie auch .

Beim Spaziergang ohne Leine rast Dein Hund plötzlich los und verschwindet aus Deinem Sichtbereich. Dein Rufen ignoriert er völlig. Nach einer Weile (die nur wenige Sekunden, aber auch Stunden dauern kann), kommt er wieder zurück. Bedeutung für den Hund: Der Chef fordert das Rudel zur Jagd auf. Das Rudel folgt ihm oder hält durch Laute (Rufen) mit ihm Kontakt, um ihn nicht zu verlieren .

An der Leine wird Dein sonst verträglicher Hund öfter zur Furie. Er attackiert knurrend und bellend andere Hunde, auch wenn er ohne Leine mit ihnen spielt. Nimmst Du ihn kürzer, wird er noch aggressiver. Der Mensch versteht dieses Verhalten meist gar nicht. Bedeutung für den Hund: Der Chef muss sein Rudel verteidigen. Durch den engen Leinenkontakt hat er aber nicht die Möglichkeit, den "Feind" abzulenken und wegzulocken, also muss er ihn unbedingt vertreiben.

Ein Kommando wie "Sitz" oder "Platz" wird von Deinem Hund grundsätzlich erst nach mehrmaliger Aufforderung befolgt. Sitzt oder liegt er endlich, steht er sofort wieder auf. Der Mensch denkt: "Eigentlich gehorcht mein Hund, er macht ja, was ich sage". Bedeutung für den Hund: Der Chef entscheidet, was gemacht wird. Er darf den Befehl ignorieren oder selbständig wieder auflösen .

Diese Reihe ließe sich durchaus noch weiterführen. In keiner der aufgezeigten Situationen zeigt der Hund irgendeine Form von Aggression gegenüber seinem Besitzer. Das muss er auch nicht, weil dieser sich ja auch so wunschgemäß verhält. Typisch für solche Hunde ist in der Regel, dass sie nicht zuverlässig gehorchen. Wird mit dem Hund auf dem Hundeplatz gearbeitet, zeigt er sich häufig uninteressiert. Manche Hunde differenzieren auch die unterschiedlichen Situationen und gehorchen auf dem Hundeplatz ohne Probleme, stehen aber außerhalb nicht mehr oder deutlich schlechter im Gehorsam. Diese "stille" Dominanz ist in vielen Fällen die Vorstufe zu sichtbar aggressivem Verhalten. Dann nämlich, wenn der Hund seine Chefposition bedroht sieht und zu stärkeren Mitteln greifen muss, um sie zu bewahren .